Rückblick: Sefora Nelson in Concert

Am 27. März hat die deutsche Musikerin Sefora Nelson ein Solokonzert bei uns gegeben. Der Anlass wurde von knapp 100 Personen besucht. Gut die Hälfte davon waren Auswärtige, nicht wenige sind aus dem grenznahen Deutschland gekommen.

Eine Gruppe von Fans hat schon 45 Minuten vor Konzertbeginn gleich die erste Reihe besetzt. Die Wand hinter der Bühne war mit speziellen Lampen farbig ausgeleuchtet. Mit Daniel Jenni hat der Techniker der Künstlerin auch für einen optimalen Sound gesorgt. Unser guter alter Welmar-Flügel hat den Saal mit seinem schönen Klang erfüllt.
Als Eröffnungssong wählt Sefora Nelson überraschend ein italienisches Lied aus dem Album „Spero“ (Seforas Mutter ist Italienerin). Damit legt sie den Boden für eine besondere Stimmung, ohne bereits eine Botschaft vermitteln zu wollen. Am Ende des Stücks wartet die Sängerin nicht auf Applaus, sondern erzählt übergangslos und spontan von ihrer jüngsten Erfahrung: Der erst 29-jährige Mann und Vater einer eng befreundeten Familie hat sich in der gleichen Woche das Leben genommen. Sefora hat die letzten zwei Tage bei ihrer Freundin und ihren beiden Kleinkindern verbracht. „In der Schwere des Lebens kann Gott aber tröstend und helfend eingreifen. Er will uns als Überbringer dieser Botschaft gebrauchen“, führt die Musikerin aus. Eine Konzertbesucherin sagt später, dass sie noch nie an einem Konzert geweint hat; heute jedoch ist sie immer wieder zu Tränen gerührt worden.
Dabei trägt das soeben erschienene fünfte Album den Titel „Glück“, und die Lieder daraus stehen im Zentrum des Vortragsabends. Die Zuschauer gehen durch ein Wechselbad der Gefühle, von den Tiefen schwerer Schicksale zu den Höhen eines von Gott reich beschenkten Lebens, wie es jeder von uns erfahren kann. Die Liebe macht den Unterschied. Dieses Thema wird im Song „Welchen Weg würde die Liebe gehn“ eindrücklich behandelt. Es gibt erfüllende Wege im Leben, die nur die Liebe wählen und gehen kann. Es gibt aber auch viele Irrwege, die der heutigen Gesellschaft offen stehen. „Ask Google“, wirft die mehrsprachige Songwriterin mehrmals in den Raum, „or ask God“. Die Suchmaschine wird zum Symbol der Wege dieser Welt.
Die Liederwahl und Zwischenkommentare folgen nicht einem festen Ablauf. „Ich bitte Gott vor den Konzerten immer, dass Er mich durch Seinen Heiligen Geist leitet“, sagt Sefora. So ist etwa das Leitmotiv von „Ask Google“ spontan entstanden. Manchmal spielt die Künstlerin nach einem Lied leise weiter und wechselt plötzlich zum nächsten Lied, das gerade zur Stimmung und Situation passt. Eine Stärke der Musikerin ist ihre Spontaneität und Frische, die das ganze Konzert prägen. Sie lässt das Publikum an ihrem Leben teilhaben und wirkt so natürlich und persönlich.
Während des Segensliedes vor den beiden Zugaben wird eine Kollekte eingesammelt, die grosszügig ausfällt und die Kosten des Anlasses fast vollständig deckt. Nach dem Konzert stehen die Besucher Schlange, um eine signierte CD zu erwerben. Viele Besucher bleiben noch länger und diskutieren miteinander. Ein Mitglied der Gemeinde sagt mir im Nachgang: „Einen so schönen Abend habe ich schon lange nicht mehr erlebt.“

Dino Ferrari, 15. April 2015