Deutschunterricht für Flüchtlinge, eine Bereicherung für alle

Seit letztem Dezember betreut ein Team der Chrischona-Gemeinde Muttenz jeden Werktag zwischen 09:30 und 11:30 eine Gruppe von Flüchtlingen. Jeweils montags unternehmen wir einen Ausflug mit den Flüchtlingen. Dabei lernen sie Dinge kennen, die ihnen im Alltag helfen sollen.

So wurden ihnen zum Beispiel günstige Einkaufsmöglichkeiten oder auch die Abfalltrennung gezeigt. Dienstags bis freitags kommen die Flüchtlinge jeweils zum Deutschunterricht, der in unseren Räumlichkeiten stattfindet. Jeden Tag ist ein anderes Lehrerteam im Einsatz; diese bestehen aus zwei bis drei Freiwilligen. Eine Frau, die Berufserfahrung im Deutschunterricht mit Ausländern hat, koordiniert das Ganze, bereitet Arbeitsmaterial vor und ist gelegentlich selber als Lehrerin tätig. Wir beginnen den Morgen jeweils mit einem Znüni und einem heissen Getränk. Der eigentliche Unterricht startet erst um 10:00 und dauert meistens bis 11:00. Wir spielen dann bis 11:30 noch ein Kartenspiel wie zum Beispiel „11er raus!“ oder „Uno“, so können die Flüchtlinge beim Spielen noch die Zahlen üben. Wir unterrichten in zwei Gruppen. Diese Unterteilung wurde notwendig, da das Bildungsniveau der Flüchtlinge recht unterschiedlich ist. Anfangs betreuten wir 10 Personen aus Eritrea, mittlerweile ist noch jemand dazugekommen. Die Muttersprache der Flüchtlinge ist entweder Tigrinya oder Arabisch. Beides sind semitische Sprachen, weshalb einigen auch schon unser lateinisches Alphabet fremd ist. Vier Personen kannten unsere Schriftzeichen bisher nicht und sind deswegen in der Alphabetisierungsgruppe. Gerade für sie ist es ein weiter Weg, bis sie sich einigermassen auf Deutsch verständigen können. Die einzige Frau ist mit ihrem Mann in dieser Gruppe. Sie hat gerade ihr erstes Kind geboren. Die anderen acht Flüchtlinge kannten das lateinische Alphabet bereits, wobei sie die Umlaute und die deutsche Aussprache noch lernen mussten. Einige können auch ein bisschen Englisch und mittlerweile auch ein wenig Deutsch. Mit ihnen lernen wir anhand des Cornelsen Lehrmittels „Der Einstieg“ vor allem einen Basiswortschatz, einfache Sätze in Alltagssituationen und die Zahlen bis 100. Momentan üben wir mit ihnen Pronomen. Das Deutschniveau dieser acht Personen ist sehr unterschiedlich. Einige können bereits einfache Sätze bilden, während andere eher Mühe haben, dem Unterricht zu folgen. Obwohl alle Anfänger sind, kann man von Woche zu Woche Fortschritte erkennen. Die Flüchtlinge sind insgesamt sehr motiviert und dankbar. Sie nehmen regelmässig am Unterricht teil. Gelegentlich fehlt jemand wegen eines Arzttermins oder aus gesundheitlichen Gründen. Wir Lehrkräfte sind gerne mit diesen Menschen zusammen und nebenbei lernen wir ein wenig ihre Kultur kennen. Insgesamt sind diese Deutschstunden eine Bereicherung für alle.

Lukas Zingg für das Deutschkurs-Team, 02. Februar 2016